Vogelgrippe
Die Vogelgrippe Typ H5N1 ist genetisch ähnlich aber nicht
identisch mit der bekannten Geflügelpest. In Fachkreisen wird
unterschieden zwischen schwach-, mittel- und hochpathogenen (krank
machenden) Erregern. Nur der Vogelgrippevirus H5N1 zählt zu
den hochpathogenen Erregern.
Der wissenschaftlich korrekte Oberbegriff lautet Aviäre Influenza.
Nur im deutschen Sprachraum wird die Vogelgrippe Typ H5N1 mit der
Geflügelpest gleich gestellt.
Entstehung der Vogelgrippe
Nach den heutigen Erkenntnissen erschien der Typ H5N1 erstmals
im Jahr 1983 in Pennsylvania /USA, wo er zu einem Massensterben
in den Hühnerfarmen führte. Vorsorglich wurden seinerzeit
20 Millionen Hühner getötet. Eine Übertragung
auf Menschen erfolgte nicht. 1995 tauchte der Typ H5N1 in Mexiko
und im Jahr 1997 in Hong Kong auf. In Hong Kong erfolgt erstmals
auch die Infektion eines Menschen - ein Kind verstarb an der Vogelgrippe.
Im gleichen Jahr erkrankten weitere 18 Personen an der Vogelgrippe
in Hong Kong. Ein Drittel der Betroffenen verstarb an schweren inneren
Blutungen. Zur Vermeidung einer Pandemie wurden 1.6 Millionen Stück
Geflügel in Hong Kong vernichtet. Die Überwindung der
Artenschranke war vermutlich möglich, da es im Raum Hong Kong
traditionell bedingt durch zahlreiche Wochenmärkte einen sehr
engen Kontakt zwischen zahllosen Menschen und Hühnern gibt.
Das Vogelgrippe-Virus
Es
gibt die drei verschiedenen Grippevirustypen Typ A, B und C. Für
die menschliche Grippe zumeist der Typ A verantwortlich. Viren der
Gruppe A werden nach bestimmten Oberflächeneigenschaften in
Untertypen eingeteilt. Bisher wurden 15 H-Untertypen und 9 N-Untertypen
erkannt. Diese Untertypen befallen üblicherweise jeweils nur
bestimmte Wirte. H5N1 hat auf seiner Oberfläche die fünfte
Variante des Hämagglutinin (daher H5) sowie die erste Variante
der Neuraminidase (daher N1). Üblicherweise lautet die Bezeichnung
für die menschlichen Grippeviren Typ H1N1 oder H3N2. Durch
einen permanenten Genaustausch sowie Mutationen entstehen laufend
neue Varianten der Grippeviren. Das H5N1 Virus gilt als besonders
aggressiv. Ein verändertes Nichtstruktur-Gen führt dazu,
dass bestimmte Botenstoffe des Immunsystems welche normalerweise
Viren abwehren, keine Wirkung mehr gegenüber dem H5N1-Typ erzielen.
Verbreitung der Vogelgrippe
Zwischenzeitlich wurde die Vogelgrippe H5N1 durch Zugvögel
nach Japan, Vietnam, Indonesien, Thailand, China und im Jahr 2005
nach Russland verbreitet.
Sollte sich das Virus H5N1 genetisch soweit verändern, dass
es die Fähigkeit erlangt, auch von Mensch zu Mensch übertragen
zu werden, könnte es zu einer Influenzapandemie kommen. Bisher
ist ein solcher Übertragungsweg beim Typ H5N1 nicht beobachtet
worden.
Die WHO hat alle Länder aufgefordert, entsprechende Notfallpläne
für den eventuellen Fall einer Grippeepidemie auszuarbeiten.
In Deutschland erfolgte dieses unter Federführung des Robert
Koch-Instituts in Berlin. Unter anderem wurde vorgeshen, dass zunächst
Mitglieder des Gesundheitsdienstes mit einem Neuraminidasehemmer
(Tamiflu) versorgt werden. Anschließend würde das Medikament
für Polizei und wichtige Verwaltungsmitarbeiter bereit gestellt
werden. An dritter Stelle stehen Menschen mit Atemwegserkrankungen,
also beispielsweise für Asthmatiker.
Da Schweine mit dem menschlichen Grippevirus H3N2 angesteckt werden
können und nach neuesten Erkenntnissen auch das Virus H5N1
tragen können, könnte es in einem solchen Fall der Doppelinfektion
zu einer genetischen Verschmelzung beider Grippetypen kommen. Hierbei
könnte ein neuer und gefährlicher Typ entstehen der auch
von Mensch zu Mensch übertragbar sein könnte. Gleiches
wäre auch möglich bei einer menschlichen Doppelinfektion.
|